Liegt es an der geografischen Abgeschiedenheit des Talkessels, an der jahrhundertelangen politischen Selbstständigkeit des Landes oder einfach nur daran, dass es drei Sorten von Menschen gibt: "Mannerleit, Weiberleit und Berchtesgadner"? In jedem Fall gibt es kaum einen Bereich im deutschsprachigen Raum, in dem sich Traditionen und Bräuche in einer solchen Dichte und Einzigartigkeit erhalten haben wie hier. Es sollen im Folgenden nur die spektakulärsten vorgestellt werden und ansonsten auf einschlägige Literatur verwiesen werden.
Es dürfte keine Gegend in Deutschland geben, in der noch so viel Tracht getragen wird wie im Berchtesgadener Land, und zwar von allen Bevölkerungsschichten. Und das nicht nur zur Oktoberfestzeit.
Geweihte Palmbäume und Palmbuschen gibt es wohl in den meisten katholischen Gegenden. So farbig und prachtvoll wohl aber nur im Berchtesgadener Land.
Im Herbst, wenn der Almsommer vorbei ist, werden Kühe und Kälber prachtvoll geschmückt ins Tal getrieben. In Berchtesgaden ist das abgesehen vom Geläut der Kuhglocken ein eher stiller Brauch des Danksagens, bei dem Gäste willkommen sind, bei dem aber die Tiere und die Bauernfamilie im Vordergrund stehen.
Im Advent wird es an manchen Tagen mit beginnender Dunkelheit gespenstisch, furchterregend und laut. Die Buttnmandl kommen. Mit dem Heiligen Nikolaus und noch einigen merkwürdigen Gestalten.
Heiliger Abend - kurz vor Mitternacht. Über 1000 Schützen, die in Tracht aus Böllern mit Schwarzpulver schießen, was das Zeug hält. Das gibt es nur im Berchtesgadener Land.
Jemand, der Berchtesgadener Dialekt spricht, wird im Rest der Republik schon mal für einen Österreicher gehalten, während er in Österreich eindeutig als "Boar" identifiziert wird. Und das hat seine Gründe.
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